An Gelsenkirchens Stammtischen wird fleißig diskutiert! Denn Schalke hat haufenweise Führungsspieler. Neben Kapitän Kenan Karaman (32) zählen auch Loris Karius (32), Timo Becker (29), Nikola Katic (29), Edin Dzeko (40), Robin Gosens (32) und Max Wöber (28) dazu.
Cheftrainer Miron Muslic (43) kann also viel Verantwortung verteilen und hat immer Führungspersönlichkeiten auf dem Rasen. Die große Frage: Sind es zu viele Alphatiere? Die BILD-Reporter diskutieren mit!
BILD-Reporter Constantin Klemm
Zu viel Führung soll ein Problem sein? Das trifft eher auf Weltklubs zu, bei denen jeder meint, er wäre der große Held. Aber auf Schalke? Niemals!
Den Herren ist bewusst, wo der Verein herkommt, welche Wucht und welche Vergangenheit dahintersteckt. Und wie viele Schultern es brauchen kann, um das zu stemmen. Das Ziel Klassenerhalt steht über allem. Und jedem.
Karaman muss sich nicht profilieren. Ein Dzeko hat bereits alles erreicht. Mehr Schalke als Becker geht kaum. Katic weiß, dass er Muslics Vertrauen genießt. Karius ist genau dort, wo er sein wollte. Gosens hat sich seinen Traum erfüllt. Und ein Wöber weiß, dass er sich erstmal neu beweisen muss.
Wer soll da aus der Reihe tanzen und „Führungskrawall“ anzetteln?
Außerdem stinkt der Fisch – wenn überhaupt – vom Kopf. Ich sehe aktuell keinen Verantwortlichen, der falschen Ehrgeiz predigt. Oder einen möglichen Missstand nicht rechtzeitig erkennt. Frank Baumann hat reichlich Erfahrung, um im Zweifelsfall jegliche Führungsstreitereien gekonnt abzugrätschen.
Bis der Gigant Schalke wieder auf den eigenen Beinen steht, wird jede Häuptlingsschulter gebraucht. Denn Stolperfallen wird es in den kommenden Monaten noch genügend geben.
BILD-Reporter Christian Kitsch
Wie sich die Zeiten ändern!
Vor rund zwei Jahren hatte Schalke eine Kabine vollgepackt mit Schweigefüchsen. Einzig Kenan Karaman besaß Führungsqualitäten. Die ganze Last lag auf seinen Schultern. Wenn einer den Mund aufgemacht hat, dann der Kapitän. Der Rest: Wegducker – demütig schweigsam, alles brav abgenickt. Absolut toxisch!
Die Bosse erkannten spät: So kann, so darf es nicht weitergehen – und haben mit Karius, Katic sowie Timo Becker weitere Häuptlinge verpflichtet, die ihre Meinung sagen und junge Spieler ans Händchen nehmen können. Ohne diese Einsicht würde Königsblau mit absoluter Sicherheit weiter in der 2. Liga rumkrebsen – oder noch schlimmer: Sogar nur noch auf Magenta TV live zu sehen sein.
Doch plötzlich ist Schalke fast schon süchtig nach Häuptlingen: Aktuell haben gleich sieben Spieler Kapitäns-Potenzial. So platt es klingt, aber: Viele Köche verderben den Brei! Es kommen Phasen, in denen es nicht läuft.
Und dann wird es spannend: Können sich die anderen sechs Anführer Kapitän Karaman wirklich bedingungslos unterordnen? Oder knallt es, weil jeder seinem Führungsanspruch gerecht werden und die Probleme auf seine eigene Art lösen will? Stecken die anderen nicht zurück, fliegt die Häuptlingsdichte Schalke um die Ohren und es knallt!
Hatte Karaman vor zwei Jahren noch das Problem und den Druck, die komplette Verantwortung alleine schultern zu müssen, ist seine wichtigste Aufgabe ab sofort, eine saubere Führungshierarchie sicherzustellen. Seine Co-Chefs sollen, können und müssen ihre Meinung sagen – am Ende MUSS aber klar sein: Karaman gibt auf und neben dem Platz die Richtung vor. NUR Karaman!
Für eine erfolgreiche Saison müssen alle anderen Platzhirsche diese Rollenverteilung akzeptieren. Ohne Wenn und Aber!