Rottach-Egern/München – Diese Aussagen von Uli Hoeneß (74) kamen für alle wirklich überraschend! Als der Bayern-Patron am Tegernsee beim Freundschaftsspiel gegen den Kreisklasse-Klub FC Rottach-Egern (15:0) gefragt wurde, wie hoch die Chancen von Max Eberl (52) auf einen neuen Vertrag als Sportvorstand seien, entgegnete Hoeneß am Donnerstagabend sofort: „Im Moment glaube ich: 100 Prozent!“
Wie Eberl Hoeneß vom neuen Vertrag überzeugte
Damit sieht alles danach aus, dass Eberl bis spätestens zur Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters am Wochenende des 20. bis 22. November einen neuen Vertrag (bisher bis Sommer 2027) vom mächtigen Aufsichtsrat um Chef Herbert Hainer (72), Hoeneß und Ex-Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge (70) bekommen wird.
Die große Frage: Wie überzeugte Eberl seinen bisher öffentlich größten Kritiker Hoeneß, der am Tag des DFB-Pokalfinals gegen Stuttgart (3:0 am 23. Mai) in einem SPIEGEL-Podcast noch „Zweifel“ an Eberls Arbeit geäußert und die Chancen auf eine Vertragsverlängerung nur auf „60 zu 40“ beziffert hatte? Wie kam Eberl in zwei Monaten von 60 auf 100 Prozent? BILD erklärt es!
1. Durch frühe Top-Einkäufe
Hoeneß lobte am Donnerstagabend neben dem Sportplatz im Birkenmoos die frühen Kauf-Aktivitäten von Eberl und Sportdirektor Christoph Freund (49). Erst kam WM-Shootingstar Ismael Saibari (25) für rund 50 Mio. Euro aus Eindhoven – ein Wunschspieler von Coach Vincent Kompany (40). Hoeneß: „Der Spieler aus Marokko hat mir gut gefallen bei der WM. Ich hatte ihn vorher nicht so bewusst gesehen. Unser Trainer, Max und Christoph haben in den höchsten Tönen von ihm geschwärmt. Wir haben im Präsidium bzw. in den Beratungsgremien gerne zugestimmt.“
Dann wurde noch DFB-Linksverteidiger Nathaniel Brown (23) für 50 Mio. Euro plus 5 Mio. Boni aus Frankfurt verpflichtet. Hoeneß: „Mit dem jungen Spieler aus Frankfurt haben wir ein Riesentalent. Trotz Angeboten aus England wollte er unbedingt zum FC Bayern und diese Spieler habe ich gerne.“ Aktuell sind die Bayern mit ihren Einkäufen durch, weit vor allen anderen Top-Teams. Eberl weihte die Entscheidungsgremien früh in die Kaufpläne der sportlichen Leitung ein. Insgesamt spricht der Ehrenpräsident deswegen nun von einer „perfekten Transferperiode“ – mehr Lob für Eberl geht wohl nicht.
2. Sogar die Verkäufe überzeugten
Die öffentliche Wahrnehmung ist, dass Eberl bisher fast keinen Spieler verkauft bekommen hat. Doch Hoeneß relativiert: „Es waren zwar kleine Summen, aber am Ende war es doch ein ganz schöner Betrag. Wir hatten heute Morgen eine kleine Sitzung mit Herbert Hainer und ein paar Leuten von unserem Aufsichtsrat und da hat er berichtet, dass schon über 40 Millionen Euro eingenommen wurden.“
Stimmt: Denn Eberl verkaufte die Talente Noel Aseko (20/12 Mio. Euro, Frankfurt), Jonathan Asp Jensen (20/6 Mio., La Coruña) und Jonah Kusi-Asare (19/6 Mio., Fulham) sowie die Ersatzkeeper Alexander Nübel (29/6,25 Mio., Besiktas) und Daniel Peretz (26/8 Mio., Southampton) plus ein paar Jugendspieler. Vier Soll-weg-Profis ist der Sport-Chef aber noch nicht losgeworden: die vier Leih-Rückkehrer João Palhinha (31/zuletzt Tottenham), Sacha Boey (25/Galatasaray), Bryan Zaragoza (24/AS Rom, aktuell Reha nach Knie-Entzündung) und Armindo Sieb (23/Mainz).
3. Kein Druck mehr beim Soll-weg-Quartett
Doch Hoeneß nimmt Eberl sogar bei den vier Soll-weg-Profis in Schutz: „Wenn es jetzt noch gelingt, den einen oder anderen abzugeben, was wir eigentlich gerne möchten, aber – und das muss ich auch noch mal ganz deutlich sagen: Ein Vertrag beim FC Bayern ist sakrosankt (unantastbar; Anm. d. Red.). Das heißt: Wenn man am Ende eben nichts findet, müssen wir die Spieler behalten.“ Bedeutet: Eberl soll möglichst das ganze Quartett verkaufen, weil sie sportlich keine Perspektive bei Kompany haben – aber nicht für jeden Billigpreis und ohne Druck von oben.
4. Eberls Klartext-Wandlung
Erst machte Eberl am Mittwoch am Tegernsee eine klare Ansage an die Soll-weg-Stars Palhinha, Boey und Zaragoza: „Wenn sich dann einer entscheidet, hier zu bleiben, dann wird es relativ hart und kompliziert für ihn, weil er eben keine große Rolle spielen wird. Unser Kader steht, wie wir ihn aufgestellt haben – da spielen die drei keine Rolle.“ Dann schoss der Sportvorstand in bester Hoeneß-Manier gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) und dessen Pläne, Teile der WM an Investoren zu verkaufen: „Ehrlicherweise finde ich es beschämend! Ich schäme mich, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden.“ Und weiter: „Selbst mich, der im Fußball zu Hause ist, ekelt das an!“ Und: „Wenn es so weit kommt, wäre ich tatsächlich dafür, dass wir als Europa stark die Stirn bieten und sagen: Ne, da machen wir nicht mit, das ist nicht unser Sport! Ich weiß nicht, wer um Herrn Infantino herum ist, aber es fühlt sich echt beschissen an.“
Während Eberl in der Vergangenheit diplomatischer war, ist er gerade im Klartext-Modus. Das kommt bei den Bayern-Fans sehr gut an. Öffentlich gibt es Lob vor allem für seine Infantino-Haltung. Und der Sport-Chef übernimmt damit mehr und mehr die Abteilung Attacke von Hoeneß. Sein Standing wächst intern seit Wochen. Jetzt muss der Aufsichtsrat nur noch in der Sitzung Ende August oder Anfang November den Vertrag absegnen – mit Hoeneß als mächtigem Befürworter im Kontrollgremium des Vorstands.