Hamburg – Für Tausende Menschen ist die Regenbogenflagge ein Symbol für Stolz, Freiheit und Akzeptanz. Ausgerechnet am Tag des Christopher Street Days (CSD) soll sie in Hamburg jedoch zum Ausschluss geführt haben.
Nach Angaben der Hamburger Polizei verweigerten Sicherheitskräfte der „Europa Passage“ mehreren Besuchern mit Regenbogenflaggen den Zutritt zum Einkaufszentrum. Andere wurden aufgefordert, ihre Pride-Flaggen einzurollen. Als Begründung berief sich der Sicherheitsdienst auf das Hausrecht. Mehrere Betroffene riefen daraufhin die Polizei.
Laut „Hamburger Morgenpost“, die zuerst über den Vorfall berichtete, kam es an zwei Seiteneingängen des Einkaufszentrums wiederholt zu Auseinandersetzungen. Die Polizei musste mehrfach eingreifen. Erst danach beendete der Sicherheitsdienst sein Vorgehen.
Center-Manager zeigt sich erschüttert
Die Leitung der „Europa Passage“ distanzierte sich von dem Vorgehen. Center-Manager Karsten Bärschneider erklärte, es habe keine Anweisung des Managements gegeben, Besucher wegen Pride-Flaggen abzuweisen oder sie zum Verbergen ihrer Fahnen aufzufordern.
„Wir möchten, dass sich alle Besucherinnen und Besucher bei uns willkommen, respektiert und sicher fühlen“, sagte Bärschneider. Er bedauere die entstandenen Unannehmlichkeiten und den Eindruck, manche Menschen seien nicht willkommen. Das entspreche weder dem Anspruch noch dem Selbstverständnis der „Europa Passage“. Die Vorfälle würden nun gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst aufgearbeitet. Weitere Fragen von BILD zu den Hintergründen des Vorfalls blieben zunächst unbeantwortet.
Scharfe Kritik von Hamburg Pride
Mit der Erklärung des Einkaufszentrums geben sich die Organisatoren des CSD jedoch nicht zufrieden. In einem Statement auf Instagram kritisierte Hamburg Pride die Reaktion der „Europa Passage“ scharf.
Demnach habe das Einkaufszentrum lediglich eine „nichtssagende Erklärung“ veröffentlicht. Es fehle eine Entschuldigung an die Betroffenen, ebenso wie konkrete Aussagen zur Aufarbeitung und möglichen Konsequenzen. Besonders deutlich wird Hamburg Pride mit Blick auf die Regenbogenflaggen, die auf dem Dach des Einkaufszentrums wehten: „Eine Regenbogenflagge auf einem Dach macht niemanden automatisch queerfreundlich!“
Die Organisatoren fordern eine öffentliche Entschuldigung, eine vollständige Aufklärung und konkrete Konsequenzen, damit sich ein solcher Vorfall künftig nicht wiederholt.