Berlin – Kaum eine deutsche Politikerin musste sich jahrelang so viele Kommentare über ihren Körper anhören wie Ricarda Lang (32, Grüne). Oft schien ihr Gewicht die Menschen mehr zu interessieren als ihre Politik. Heute spricht die Grünen-Politikerin offen darüber, wie sie ihr Leben verändert hat. „Früher habe ich den Stress ‚weggegessen‘, hastig im Auto oder zwischen zwei Terminen“, erzählt Lang im Interview mit dem Magazin „Bunte“. Heute setze sie stattdessen auf Sport.
Vor allem Laufen und Krafttraining sind für sie zum Ausgleich geworden. Mit Erfolg: Rund 40 Kilo hat Lang inzwischen verloren. Ihren Wandel kommentiert sie mit einem Augenzwinkern: „Ich habe ein paar Ängste abgelegt. Und 40 Kilo.“ Die meisten Menschen reagierten positiv darauf und machten ihr Komplimente.
Der Sport helfe ihr inzwischen nicht nur körperlich. Beim Laufen werde der Kopf frei, sagt Lang. „Das erdet und holt mich runter. Es ist der Moment am Tag, an dem mein Kopf mal still wird.“ Außerdem habe sie gelernt, dranzubleiben und den inneren Schweinehund zu überwinden. Das mache sie auch im Alltag stärker.
Lang stellt Gesundheit an erste Stelle
Doch der öffentliche Blick auf ihren Körper lässt sie bis heute nicht los. Lange habe sie sich gefragt, ob sie mit dem Abnehmen ihre eigenen Überzeugungen verrate. Den Vorwurf, sie passe sich jetzt einem Schönheitsideal an, weist sie jedoch entschieden zurück: „Natürlich kann ich meine Gesundheit und mein Wohlbefinden nicht davon abhängig machen, was andere von mir erwarten oder auf mich projizieren.“ Und ihr Einsatz dafür, dass Frauen nicht auf ihren Körper reduziert werden, gehe „zu 100 Prozent weiter“.
Lang sagt, der zunehmende Schönheitsdruck bereite ihr große Sorge. Es fühle sich an wie ein Comeback der Nullerjahre, sagt sie. Damals sei Britney Spears als „sterbensfett“ beschimpft worden, obwohl sie Kleidergröße 38 trug. Dieser Druck treffe heute längst nicht mehr nur Frauen, sondern auch junge Männer.
Auch über Veränderungen in ihrem Kleidungsstil spricht Lang offen. Als Grünen-Chefin habe sie ständig beweisen wollen, dass sie nicht zu jung oder unerfahren sei, das habe sich auch auf ihre Kleidung ausgewirkt. Heute sei das anders: „Ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen, wer ich bin.“