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Ronzheimer-Podcast zur Krise in Ceuta: „80.000 bis 100.000 eine realistische Zahl“

Ronzheimer-Podcast zur Krise in Ceuta: „80.000 bis 100.000 eine realistische Zahl“
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Ceuta (Spanien) – Wenige Tage nach dem Ansturm auf Ceuta herrscht weiter Rätselraten: Warum waren die Behörden unvorbereitet? Hat Marokko die Migrationswelle bewusst gesteuert? Und stimmt es, dass Migranten inzwischen sogar mit Jetskis Richtung Europa unterwegs sind? Im Gespräch mit BILD-Vize Paul Ronzheimer analysiert Global Reporter Tim Röhn die explosiven Entwicklungen. Sein Urteil über Spaniens Premier Pedro Sánchez (54) fällt vernichtend aus: „Er hat eine Vertrauenskrise ausgelöst.“ Fotos überforderter Grenzbeamten gingen durch Europa und lösten bei anderen Regierungschefs Entsetzen und Wut auf Spanien aus. Trotzdem behauptete Sánchez, „fast alle“ Migranten hätten das Land wieder verlassen – was sich dann schnell als Lüge herausstellte: „Ich glaube, dass das Problem ist, dass die spanische Regierung von Anfang an nicht die Wahrheit gesagt hat“, so Röhn. Nach allem, was er von Beamten vor Ort erfahren habe, hätte sich die Einwohnerzahl von Ceuta (rund 84.000 Einwohner) zwischenzeitlich verdoppelt – zwischen 80.000 und 100.000 Afrikaner hätten die Grenze überquert – dies sei „eine realistische Zahl.“

Beging Spaniens Regierung Rechtsbruch?

Zur Wahrheit gehöre aber auch: „Der große Großteil ist weg“, also tatsächlich nach Marokko zurückgekehrt, was angesichts der „völlig unkoordinierten, kurzfristigen Aktion“ auch nicht verwundere. „Ein paar Tausend“ würden allerdings weiterhin in Ceuta ausharren und dort auf ihre Chance hoffen, aufs europäische Festland zu gelangen. Angesichts der geringen Größe der Exklave noch immer eine beträchtliche Anzahl. Hinzu kommt: Hätte sich die Regierung an europäisches Recht gehalten, wären es wohl sogar noch deutlich mehr. Rückführungen Minderjähriger sind damit eigentlich ausgeschlossen: „Begeht die spanische Regierung also bewusst Rechtsbruch?“, hakt Paul Ronzheimer nach. Er wäre „vorsichtig“ mit solchen Begriffen, betont Röhn, letztlich müssten Gerichte dies bewerten.

Migration als Waffe

Fakt sei aber auch: Mutmaßlich rund 100 Menschen hätten bei dem Ansturm ihr Leben verloren. Vermeidbar, wenn die Behörden auf beiden Seiten der Grenze ein solches Chaos zu verhindern gewusst hätten. Was drohte, hätte niemanden überraschen dürfen. Wenn man jetzt sehe, wie schwach die Grenze geschützt war, „kann man meines Erachtens mit Sicherheit von einem Versagen der Spanier sprechen“.

Ob dahinter eine gezielte Provokation Marokkos steckte? Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass das Königreich „Migration immer wieder als Waffe benutzt hat“. Den Marokkanern sei durchaus bewusst, „wie anfällig“ die Spanier in Ceuta sind. Zugleich warnt Röhn vor vorschnellen Schuldzuweisungen: „Ceuta ist wirklich extrem komplex, extrem schwierig zu verstehen. Und deswegen sind sehr schnelle Fazits und klare Antworten fast unmöglich.“

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