Dresden/Berlin – Die Merz-Revolte in der Union geht weiter! Nach Kritik aus mehreren Landesverbänden rechnet nun auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit dem Personalumbau des Kanzlers ab. Vor allem die Ablösung von Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) sorgt bei ihm für Unverständnis.
„Christiane Schenderlein war eine unglaublich erfolgreiche Sportministerin“, sagte der CDU-Landeschef dem MDR. Er habe den Wechsel „überhaupt nicht verstanden“. Statt sie abzuziehen, hätte Schenderlein „die Urkunde für das erfolgreichste Kabinettsmitglied in der Regierung Merz“ verdient. „Diese Veränderung, die müssen wir erst alle noch mal durchdenken und dann vielleicht verstehen.“
Merz hatte am Montag bekannt gegeben, dass Schenderlein künftig als Parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium wechselt. Ihre Ablösung im Kanzleramt hatte bereits in den vergangenen Tagen für erheblichen Ärger in den ostdeutschen CDU-Landesverbänden gesorgt. Denn: Diese sind im Kabinett jetzt deutlich unterrepräsentiert.
Kretschmer: Mit dem Kopf geschüttelt
Kretschmer kritisierte auch den gesamten Ablauf der Personalrochade. „Es ist eine schwierige Geschichte gewesen die letzten Tage. Ich glaube, viele Menschen standen davor, haben das Ganze beobachtet und haben den Kopf geschüttelt. Ich auch“, sagte er im MDR. Die Umbildung sei „sicherlich nicht so glatt gelaufen, wie man das erwarten kann“.
Der Regierungsumbau sorgt für zunehmende Unruhe in der CDU: Besonders der Umgang mit Verkehrsminister Patrick Schnieder (58, CDU) sorgte für mächtig Ärger. Der Rheinland-Pfälzer sollte seinen Posten räumen, doch weil der vorgesehene Nachfolger kurzfristig absprang, zog sich die Verkündung über mehrere Tage. Schnieder sprach von einem „unwürdigen Zustand“ und zog selbst die Reißleine: Er bat um seine Entlassung. Die CDU-Fraktion in Rheinland-Pfalz sagte daraufhin sogar ein geplantes Treffen mit Merz ab.
Auch der bisherige Gesundheitsstaatssekretär Tino Sorge (51, CDU) verlor durch die Umbesetzungen seinen Posten. Er kritisierte, nicht vom Kanzler persönlich, sondern aus Parteigremien und Medien von seiner Ablösung erfahren zu haben. Besonders brisant: Die Personaldebatte fällt mitten in die heiße Phase vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Sorge war bislang das einzige Regierungsmitglied aus dem Land. CDU-Landeschef Sven Schulze warnte, an Wahlkampfständen sei es „fast unmöglich“, sich auf Landesthemen zu konzentrieren.