Krakau (Polen) – Er raste mit einem Auto in die Krakauer Altstadt, zielte direkt in eine Menschenmenge. Sechs Menschen starben auf dem Marktplatz, 15 wurden verletzt, darunter auch eine Person aus Deutschland. Dann der nächste Schock: In einer Wohnung entdeckten Ermittler die Leichen von zwei Frauen und einem Mann. Damit gibt es insgesamt neun Tote. Ob Michal O. auch sie auf dem Gewissen hat, haben die Ermittler bislang nicht bestätigt.
Wahrscheinlich hätte der Attentäter weiter Blut vergossen, hätten sich ihm nicht zwei mutige Polizisten in den Weg gestellt. Ein Augenzeuge filmte den Moment, in dem einer der Beamten zu sehen ist, wie er dem rechtsextremen Terroristen mit gezogener Waffe gegenübersteht. Es ist ein Kampf um Leben oder Tod – beide sind angeschossen und schwer verwundet.
Schütze Michal O. (24) soll auf seiner Flucht vom Marktplatz an einer Kreuzung ein anderes Auto gerammt haben. Als die Polizei ihn endlich stoppen wollte, sei er aus dem Wagen gesprungen und habe das Feuer eröffnet. Der polnischen Zeitung „Fakt“ zufolge habe eine Kugel dabei den Beamten getroffen, mehrere seiner Kollegen seien ebenfalls verletzt worden.
Einer von zwei Polizisten ist so schwer verletzt, dass Polens Justizminister Waldemar Żurek (56) um Blutspenden für ihn bittet. „Der ältere Polizeiposten Jakub Kulik, der heute ohne Zögern gegen einen bewaffneten Attentäter kämpfte, kämpft nun im Krankenhaus um sein Leben. Er hat eine nicht funktionsfähige Lunge und braucht jeden Blutstropfen. Benötigt wird Blut AB Rh+“, schreibt er auf X.
Zwei Polizisten wurden zu Helden
Die beiden Polizisten hätten ein noch größeres Massaker verhindert, sagte Innenminister Marcin Kierwiński. Die Beamten hätten innerhalb von drei Minuten nach der ersten Alarmierung schon Schüsse auf den Angreifer abgegeben. Polens Ministerpräsident Donald Tusk schrieb bei X: „Der Oberpolizist Jakub Kulik und der Oberpolizist Artur Morański sind wahre Helden. Sie haben wahrscheinlich viele Menschenleben gerettet, ohne Rücksicht auf die Gefahr, selbst ihr Leben zu verlieren. Ihr Zustand ist ernst, aber sie werden sehr gut versorgt. Ganz Polen drückt euch die Daumen.“
Held lag blutend neben dem Attentäter
Der Polizist habe sechs Schüsse abgefeuert, bevor er in die Knie ging und einen weiteren Schuss abgab. In dem Clip ist zu sehen, wie er sichtlich Schwierigkeiten hat, das Gleichgewicht zu halten. Schließlich sackte er auf dem Bürgersteig in die Knie, direkt neben dem Täter, legte sich augenscheinlich einen Druckverband am Arm an.
Weitere Aufnahmen zeigen, wie die beiden Männer, umringt von Menschen, am Boden liegen, die zu Hilfe geeilt waren. An den Füßen des Täters liegt ein ungesichertes Gewehr. Polens Regierung stufte die Tat als Terrorakt ein. Der Schütze sei von „rechtsextremer Ideologie fasziniert“ gewesen, so Innenminister Kierwinski.