Wenn er auf Reisen geht, muss er sich entscheiden. Zwischen drei Pässen: dem US-amerikanischen, dem französischen und dem deutschen. Drei Staatsbürgerschaften besitzt Mathis Albert (17) aufgrund seiner Familiengeschichte. Es war ein außergewöhnlicher Weg, den er ging. Außergewöhnliche Umstände, die seine Karriere bislang prägten. Und beim BVB ist man sicher: Er ist ein außergewöhnliches Talent.
Seit Januar gehört Albert fest zum Profikader, auch in der aktuellen Saisonvorbereitung darf das neue Super-Juwel voll bei Trainer Niko Kovac (54) mitmischen. Der Offensivspieler, der am liebsten auf dem linken Flügel spielt, soll nach Samuele Inácio (18) das nächste Talent sein, das den Sprung in die Bundesliga packt.
Albert wirkt neben dem Platz noch zurückhaltend. Seine Ziele sind jedoch forsch. „In fünf Jahren will ich ein richtig großer Spieler für mein Team sein – einer, auf den jeder Gegner besonders achten muss. Ich will meinem Klub helfen, Top-Leistungen bringen und ein Spieler sein, der Spaß macht – für den die Leute ein Ticket kaufen und ins Stadion kommen“, sagt er zu SPORT BILD. „Gleichzeitig will ich mir den Spaß am Spiel bewahren. Das ist das Wichtigste für mich: Ich spiele, weil es mir Freude macht – nicht, weil es ein Job ist, mit dem man Geld verdient. Ich weiß, dass das ein großes Ziel ist. Aber ich glaube, dass ich gut genug bin, und ich vertraue mir, es irgendwann zu schaffen.“
Albert kam 2009 in den USA zur Welt
Alberts Mutter Marlyse stammt ursprünglich aus Kamerun, zog als junge Frau nach Deutschland, besuchte die Uni in München und erhielt bald die deutsche Staatsbürgerschaft. Dort lernte sie ihren heutigen Mann kennen, Denis. Aus beruflichen Gründen zogen die beiden in die USA, 2009 kam ihr Sohn Mathis auf die Welt.
In seinem Kinderzimmer hingen Poster von Mbappé
Während seine Freunde Basketball und American Football spielten, begeisterte Albert nur eine Sportart: Fußball. In seinem Kinderzimmer hingen Poster von Kylian Mbappé (27). Bis heute sein großes Idol. „Schon als er in Monaco spielte und dann zu PSG ging, wollte ich so spielen wie er. Als ich ihn dann vor einem Jahr bei der Klub-WM getroffen und mit ihm gesprochen habe, war er super nett. Das war ein surrealer Moment für mich – wie ein Traum“, sagt er.
Die Familie zog bald weiter – nach Kalifornien. Albert wurde Teil der Akademie von LA Galaxy, durfte mit 14 Jahren bereits bei den Profis mittrainieren. 2022 wurde er zum Probetraining bei Paris St. Germain eingeladen, die Fifa-Statuten verbieten jedoch einen interkontinentalen Wechsel eines Minderjährigen. Als er 15 Jahre alt war, baten seine Eltern ihn um ein Gespräch. Sie wollten umziehen. Nach Deutschland. NRW. Der Vater habe ein Job-Angebot. Albert willigte ein – wenn auch mit Bauchschmerzen. Sein Leben, seine Freunde – all das war in den USA.
In Deutschland spielte er zuerst für Düsseldorf
Als er in Deutschland ankam, spielte er zunächst bei Fortuna Düsseldorf vor. Die Verantwortlichen dort um Ex-Sportdirektor Christian Weber (42) waren begeistert – bis der BVB und der FC Bayern Wind von Alberts Umzug bekamen. Fortuna, BVB oder Bayern? Albert entschied sich für Schwarz-Gelb. Und musste zunächst vor allem mental stark sein. „Der Anfang war nicht leicht. Als ich zunächst im Jugendhaus des BVB wohnte, pendelte mein Vater zwischen Deutschland und Amerika. Meine Mutter war damals noch in den USA, weil mein kleiner Bruder dort noch zur Schule ging und der Umzug sauber vorbereitet werden musste“, sagt er. Vor allem die anderen internationalen Talente des BVB halfen ihm, anzukommen.
Von da an ging es bergauf. Mit 15 Jahren spielte er bereits in der U19, in der vergangenen Saison feierte er sein Bundesliga-Debüt als jüngster US-Amerikaner. „Ich wusste: Der Weg hier stimmt – wegen all der Spieler, die dieser Klub hervorgebracht hat. Gerade für mich als Flügelspieler war das perfekt, wenn man sieht, welche Flügelspieler Dortmund entwickelt hat. Es gab natürlich auch andere Klubs, aber der BVB war die beste Option für mich. Auch, weil ich so in der Nähe meiner Familie bleiben konnte.“
Albert unterschrieb Ausrüstervertrag bei Nike
Ein Ausrüster hat das Rennen um Albert bereits gewonnen: Bei „Nike“ unterschrieb er einen Siebenjahres-Vertrag. Die Fußball-Verbände buhlen weiterhin. Der US-Verband lud ihn im Sommer ein, als Albert sein privates Trainingslager in LA absolvierte. Sogar Trainer Mauricio Pochettino (54) nahm an dem Gespräch teil. Doch auch der französische Verband hat längst Kontakt aufgenommen. Der DFB hingegen ist raus – weil kein Elternteil in Deutschland geboren wurde. Albert sagt über seine Nationalmannschafts-Wahl: „Aktuell fühle ich mich bei den USA sehr gut aufgehoben. Ich bin dort mein ganzes Leben lang durch die Jugendteams gegangen, und der Verband war immer richtig gut zu mir.“ Eine finale Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen: „Ich konzentriere mich voll auf meine Entwicklung im Verein – alles Weitere wird die Zukunft zeigen.“
Während seines dreiwöchigen LA-Aufenthalts im Sommer legte Albert dank Privat-Training drei Kilo Muskelmasse zu, trainierte meist zweimal pro Tag. „Ich wollte die Sommerpause unbedingt nutzen, um körperlich und mental stärker zu werden“, sagt er. Für sein großes Ziel: ein außergewöhnlicher BVB-Star zu werden.