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Ceuta-Ansturm: Kurz davor zog Marokko seine Grenzpolizisten ab

Ceuta-Ansturm: Kurz davor zog Marokko seine Grenzpolizisten ab
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Ceuta – Zwei Tage Ausnahmezustand! Rund 60.000 illegale Migranten gelangten seit Donnerstag in die spanische Exklave Ceuta. Während viele den Grenzzaun umschwammen und übers Meer die Hafenstadt erreichten, liefen andere fast ungehindert über den Grenzübergang Tarajal. Vor Ort bewarfen sie Polizisten mit Steinen und plünderten Geschäfte. Mittlerweile gibt es mehrere Hinweise darauf, dass die Situation bewusst von der marokkanischen Regierung herbeigeführt wurde.

Denn: Nach Angaben spanischer Sicherheitskreise hatten sich die marokkanischen Grenzpolizisten kurz vor der Invasion von der Grenze zu Ceuta zurückgezogen. Erst am Abend griffen die marokkanischen Behörden mit Tränengas und Wasserwerfern ein und versuchten, den Ansturm zu stoppen.

In Madrid sorgt das Vorgehen für große Unruhe. Regierungsvertreter räumen ein: Hätten die marokkanischen Sicherheitskräfte nicht tatenlos zugesehen, wäre der Massenansturm kaum möglich gewesen. Öffentlich hält sich die Regierung mit Vorwürfen gegen Rabat (Hauptstadt Marokkos) allerdings zurück und spricht stattdessen von einer „exemplarischen Zusammenarbeit“. Hinter den Kulissen wird dagegen intensiv über die Hintergründe diskutiert.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgen Berichte von Migranten selbst. Mehrere Männer erzählten der „New York Times“, marokkanische Polizisten hätten sie nicht aufgehalten, sondern ihnen sogar den Weg Richtung Ceuta gezeigt. „Sie sagten immer nur: 'Geht dort entlang, geht dort entlang'“, berichtete der 26-jährige Youssef Alaoui der Zeitung. Ein weiterer Migrant sagte, Beamte hätten ihn mit den Worten „Komm nach Spanien“ zum Grenzübertritt ermutigt.

Brisanter Zeitpunkt für den Ansturm

Brisant ist vor allem der Zeitpunkt. Nur wenige Tage vor dem Ansturm hatte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) Algerien besucht und die Beziehungen zum Nachbarland wieder verbessert. Beobachter verweisen darauf, dass jede Annäherung Spaniens an Algerien in Marokko mit großem Misstrauen verfolgt wird. Deshalb wird auch ein Zusammenhang mit dem jahrzehntelangen Streit um die Westsahara diskutiert.

Schon 2021 gab es ähnliche Vorwürfe

Ein ähnliches Szenario hatte es bereits 2021 gegeben. Damals gelangten ebenfalls Tausende Migranten nach Ceuta, nachdem Marokko die Grenzkontrollen gelockert hatte. Die Krise endete erst, nachdem Spanien seine Haltung im Westsahara-Konflikt geändert und den marokkanischen Autonomieplan unterstützt hatte.

Gerichtsurteil befeuerte den Ansturm

Zum Massenansturm dürfte aber noch ein weiterer Faktor beigetragen haben: Kurz zuvor hatte der Oberste Gerichtshof Spaniens entschieden, dass Migranten, die Ceuta schwimmend erreichen oder aus dem Meer gerettet werden, nicht sofort nach Marokko zurückgeschickt werden dürfen. Stattdessen muss jeder Fall zunächst individuell geprüft werden. In sozialen Netzwerken verbreitete sich daraufhin die Behauptung, wer es schwimmend nach Ceuta schaffe, könne nicht abgeschoben werden. Nach Angaben der spanischen Regierung könnte genau dieses Gerücht der Auslöser des Ansturms gewesen sein.

Mittlerweile soll sich die Lage in Ceuta wieder beruhigt haben. Angeblich hätten fast alle der 60.000 Migranten die spanische Exklave wieder verlassen. „Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt“, schrieb Außenminister José Manuel Albares auf X.

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