Politik

EU-Migrationsstreit: Italiens Plan für schnellere Abschiebungen

EU-Migrationsstreit: Italiens Plan für schnellere Abschiebungen
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Brüssel – Der Schock über das Ceuta-Chaos mit annähernd 100 Toten durch den plötzlichen Massenansturm auf die spanische Exklave sitzt tief. Am Vormittag berieten die 27 EU-Innenminister über die Konsequenzen. Zugeschaltet sind nach BILD-Informationen diejenigen, die solche Vorfälle in Zukunft verhindern sollen: Vertreter der EU-Grenzschutzagentur Frontex, der EU-Asylagentur und von Europol.

EU-Diplomaten waren nach einem Vorbereitungstreffen der Botschafter bemüht, den Streit mit Spanien für beendet zu erklären, nachdem es massive Kritik aus 22 Mitgliedstaaten am Migrationskurs der spanischen Regierung gegeben hatte. Doch mit einem Land geht der Zoff um eine Verschärfung der Migrationspolitik weiter: Italiens Rechtsregierung unter Giorgia Meloni bleibt bei ihrer Kritik an Spaniens sozialistischem Regierungschef Pedro Sánchez, der sich mitten in der Krise in den Urlaub verabschiedet hat.

Überraschend für seine Amtskollegen brachte Italiens Innenminister Matteo Piantedosi (63, parteilos) einen Plan in die Videoschalte ein, wie Migranten ohne Bleiberecht in Zukunft deutlich schneller abgeschoben werden können. Zentral: Rückkehrzentren nach Vorbild der italienischen Einrichtungen in Albanien. Mit drei afrikanischen Ländern liefen derzeit Verhandlungen, zitiert der „Corriere della Sera“ aus dem Plan: mit Ruanda, Uganda und – selbst für viele Insider überraschend: Ghana. Alle drei Länder sollen für eine mögliche Kooperation durch üppige Investitionen und Zollerleichterungen belohnt werden.

Brisant: An den Verhandlungen sind nach Angaben aus Rom auch Deutschland und Dänemark beteiligt. Außerdem steht Österreich hinter dem Projekt. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bestätigt gegenüber BILD: „Die Gruppe der Umsetzer arbeitet ganz konkret an Rückkehrzentren und Asylverfahren in Staaten außerhalb Europas. Die Ereignisse der letzten Tage unterstreichen die Notwendigkeit und die Bedeutung dieser Gruppe, die Anfang September das nächste Mal zusammentrifft.“

Griechen-Premier will in Notfällen Asylrecht kippen

Auch ein neuer Vorschlag von Griechenland-Premier Kyriakos Mitsotakis (58, konservative ND) machte in Brüssel die Runde. Mitsotakis forderte in einem Gastbeitrag für Politico (gehört wie BILD zu Axel Springer), sich einzugestehen, dass Migration als Waffe eingesetzt werden kann, und dass die EU in Notfällen klare Notfallstrukturen auslösen müsse. Kern davon: „In klar definierten Ausnahmesituationen, in denen ein extremer und unverhältnismäßiger Druck herrscht (...), sollte den Mitgliedstaaten im Rahmen einer speziellen EU-Notfallregelung die Möglichkeit eingeräumt werden, Asylanträge von neu angekommenen Personen vorübergehend auszusetzen.“

Da der Krisengipfel im Videoformat stattfand, waren keine formellen Beschlüsse möglich.

Vielleicht verpasst