Moskau – Fragwürdige Ehrung für den berüchtigtsten Spion der DDR! Russlands Auslandsgeheimdienst hat dem früheren Stasi-Auslandsspionagechef Markus Wolf (†2006) in Moskau ein Bronzerelief samt Gedenktafel gewidmet. Die Botschaft: In Russland wird der einstige Top-Spion bis heute gefeiert.
Die Tafel hängt am Haus in der Nischni-Kislowski-Gasse 8 in Moskau. Dort verbrachte Wolf von 1934 bis 1945 seine Kindheit und Jugend. Die Tafel wurde bereits im September aufgehängt, sorgt aber jetzt zum 20. Todestag am 9. November für Aufmerksamkeit.
„Treuer Freund Russlands“
Fast 30 Jahre führte Wolf die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) der Stasi. Rund 4000 Spione arbeiteten für ihn. Im Westen galt er als „Mann ohne Gesicht“. Sein größter Coup: die Einschleusung von Kanzlerspion Günter Guillaume. Als dieser 1974 aufflog, stürzte Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992, SPD).
Russlands Geheimdienstchef Sergej Naryschkin (72) fand zur Enthüllung schwärmerische Worte. Wolf sei ein „Mensch von außergewöhnlichen Talenten, ein Patriot Deutschlands und treuer Freund unseres Landes, ein herausragender Geheimdienstprofi, ein tiefsinniger Analytiker und begabter Schriftsteller“ gewesen. Er habe den DDR-Geheimdienst zu einem der stärksten der Welt gemacht.
Wolf-Witwe bedankt sich bei Russland für Ehrung
Die Stadt Moskau teilte mit, dass Wolf Spuren in der Geschichte des Kalten Krieges hinterlassen habe. Eine ältere Gedenktafel erinnert zudem an seinen Vater, den Schriftsteller Friedrich Wolf, und seinen Bruder, den Regisseur Konrad Wolf.
Wolfs Witwe Andrea bedankte sich in einem Brief bei „allen russischen Freunden“, die das Andenken ihres Mannes Markus wachhielten.
Nach der Wiedervereinigung holte Wolf die Vergangenheit vor deutschen Gerichten ein. 1993 wurde er wegen Landesverrats zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde 1995 aufgehoben. 1997 folgten zwei Jahre auf Bewährung wegen Freiheitsberaubung in vier Fällen. 1998 musste Wolf mehrere Tage in Beugehaft, weil er die Namen früherer Spione nicht verraten wollte.