Washington/Berlin – Wie groß ist die Gefahr aus Moskau für die Nato? Gerade erst hat Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas (41) bestätigt, dass sein Land es für wahrscheinlich hält, „dass Russland in der Ukraine hergestellte Drohnen einsetzen könnte“, um Angriffe auf kritische Infrastruktur im Baltikum durchzuführen. Jetzt schlagen auch die US-Geheimdienste Alarm. In deren Berichten werden mögliche Szenarien skizziert: von einem Cyberangriff bis hin zu einer kleineren Landungsoperation an der Nato-Ostflanke. Das berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ). Schon im Herbst könnte Kriegstreiber Wladimir Putin (73) demnach angreifen!
Die USA waren bisher davon ausgegangen, dass Putin kein Nato-Land provozieren würde, solange er noch in der Ukraine kämpft. Doch diese Einschätzung habe sich Anfang dieses Jahres geändert, so die US-Beamten gegenüber dem WSJ. Der Grund: Putin gerate in der Ukraine zunehmend in Bedrängnis und stehe im eigenen Land unter Druck, einen Sieg zu erringen. Kiews Drohnen fügen sowohl der russischen Armee als auch der Ölindustrie wachsende Schäden zu, während Putins Truppen an der Front bei hohen Verlusten nur noch kleinere Geländegewinne erzielen.
US-amerikanische und europäische Staats- und Regierungschefs sehen zunehmend Anzeichen dafür, dass Russland mit Testangriffen die Entschlossenheit der Nato auf die Probe stellt. Darunter sind russische Marschflugkörper, die in Polen eingeschlagen sind, sowie Drohnen, die in den vergangenen Wochen mehrfach bis nach Rumänien geflogen sind.
Gefahr für Landungsoperation steigt mit der Zeit
Möglich sei ein russischer Angriff laut den US-Geheimdiensten zwischen diesem Herbst und 2029. Putins Ziel bei einem Angriff auf die Nato wäre es, das Bündnis zu spalten, so die US-Beamten. Die Befürchtung: Ein in die Enge getriebener Putin könnte noch gefährlicher werden.
Die Wahrscheinlichkeit des extremsten Szenarios – einer begrenzten Landungsoperation – sei zwar gering, steige aber mit der Zeit an, heißt es in den Berichten. Auch die Entsendung nicht gekennzeichneter bewaffneter Gruppen zur Besetzung von Gebieten sei möglich – ein Vorgehen, das Russland schon 2014 auf der ukrainischen Halbinsel Krim genutzt hat. Beide Szenarien galten stets als äußerst unwahrscheinlich, da sie den Nato-Artikel 5 auslösen würden, der die Mitglieder zur kollektiven Verteidigung verpflichtet.
Die von US-Beamten beschriebenen Szenarien kommen inmitten eines Mangels an bestimmter kritischer Munition, die das US-Militär im Falle eines künftigen Konflikts mit Russland oder China bräuchte. Die Waffenbestände der USA sind wegen der Lieferungen an die Ukraine sowie wegen des andauernden US-Konflikts mit dem Iran stark geschrumpft.