Berlin - Jedes Klatschen eine Klatsche für den Kanzler. Die Verabschiedung von Patrick Schnieder (57, CDU) wird zum Triumphzug für den gefeuerten Verkehrsminister. Die unrühmliche Entlassung Schnieders durch Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat im Ministerium offenbar Spuren hinterlassen. Am Mittwoch sagte Schnieder seinen Mitarbeitern Lebewohl – und wurde mit minutenlangen Jubelrufen und stehendem Applaus gefeiert.
Bis zum letzten Tag hatte der eigentlich schon abgesägte Schnieder Post bearbeitet und Gespräche geführt. Am Dienstagabend traf er seinen Nachfolger Steffen Bilger (47, CDU) zu einem heimlichen Vorab-Treffen, um die Details der Übergabe zu besprechen. Heute dann die offizielle Verabschiedung. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht schüttelte Schnieder Hände, nahm Schulterklopfer entgegen. Der Saal war rappelvoll. „Ich übergebe ein Haus, auf das ich stolz bin. Es war mir eine Ehre“, erklärte Schnieder.
Auch ein Abschiedsgeschenk gab es für den leidenschaftlichen Organisten: vier Orgelpfeifen, die jeweils für eine Säule der Zusammenarbeit stehen sollen. Gemeinsam ergeben sie einen guten Klang, für den auch Schnieder immer gesorgt habe, heißt es aus dem Ministerium.
Alle Fragen und Antworten zu „Deutschland spricht“
Schnieder begegnete Merz beim Bundespräsidenten
Vergangenen Donnerstag hatte Merz Schnieder in dessen Island-Urlaub über seine Entlassung informiert. Doch weil der von Merz favorisierte Nachfolger Fritz Güntzler (60, CDU) erst zu- und dann wieder absagte, stand der Kanzler plötzlich ohne Kandidaten da. Schnieder erfuhr davon aus den Medien und fühlte sich von Merz vor aller Augen gedemütigt.
Am Sonntag bat Schnieder dann den Kanzler öffentlich um seine Entlassung, um den „unwürdigen Zustand“ zu beenden. Trotzdem nahm Schnieder noch bis Dienstag alle notwendigen Termine als Verkehrsminister wahr. Alle, bis auf einen: Bei der Kabinettssitzung am Mittwochmorgen ließ sich Schnieder von seinem Staatssekretär Ulrich Lange (57, CSU) vertreten. Er wolle dem Kanzler nicht über den Weg laufen.
Bei der amtlichen Übergabe der Entlassungsurkunde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70, SPD) gab es dann doch eine kurze Begegnung mit Merz. Beide schüttelten sich kurz die Hände. Künftig werden sie sich wohl nur noch bei Fraktionssitzungen begegnen. Schnieder behält sein Bundestagsmandat und wird als einfacher Abgeordneter arbeiten.